Hochzeitsbräuche & Sitten im Mittelalter

Im Gegensatz zu heute heiratete man im Mittelalter nicht aus Liebe oder gegenseitiger Achtung, sondern aus finanziellen und gesellschaftlichen Gründen. Alter, Gesinnung und Wille der Brautleute spielten kaum eine Rolle, weswegen es innerhalb der mächtigen Adelshäuser Gang und Gebe war, Kinder oder gar Ungeborene zu verloben und möglichst früh zu verheiraten.

So kam es etwa, dass Maria von Ungarn bereits einjährig mit dem noch ungeborenen Ludwig II. verlobt wurde. Bereits neun Jahre später wurde Hochzeit gefeiert. Doch nicht nur adelige, auch bürgerliche und bäuerliche Kinder mussten sich, ging es um die Wahl ihrer Ehepartner, völlig dem Willen ihrer Eltern beugen. Zukünftige Ehepartner lernten sich oft erst bei der Hochzeit kennen, was mitunter ein böses Ende nahm. Graf Balduin II. von Hennegau floh sogar, um eine Andere zu heiraten, als er seine hässliche Braut zum ersten Mal sah.

Hochzeit im MittelalterDie Stellung der Ehefrau

Nach der Trauung befanden sich Frauen meist gänzlich in der Gewalt ihrer Ehemänner, denn diese durften frei über ihre Frauen, Kinder und das gemeinsame Vermögen verfügen. Die Vormachtstellung des Ehemannes wurde oft auch durch einen Fußtritt nach der Trauung besiegelt.

Starb der Ehemann, so ging sie zurück zu ihrem Vater, Bruder oder einem anderen männlichen Verwandten, der sie erneut am Heiratsmarkt feilbieten konnte. Hauptaufgabe innerhalb der Ehe war es, einen gesunden männlichen Nachfolger zu gebären. Unfruchtbarkeit war eine der häufigsten Scheidungsursachen im Mittelalter.

Die Brautmode

In der alten Zeit waren es meist die "besten Stücke", die die Braut an ihrem Ehrentag anlegte. Brautausstattungen im heutigen Sinn (das weiße Brautkleid und der Schleier) gibt es erst seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

Unterschiedliche Eheformen

Im Mittelalter unterschied man zwischen drei Formen der Ehe:

  1. der Muntehe,
  2. der Fridelehe und
  3. der Kebsehe
1. Bei der Muntehe ging es hauptsächlich darum, dass die Vormundschaft über die Frau vom Vater zum Ehemann überging. Die Muntehe war nicht mehr als ein Rechtsgeschäft zweier Familien, bei dem der Vertragsgegenstand die Verheiratung der Frau war, für die auch ein Brautpreis vereinbart wurde.
2. Der Begriff Friedelehe geht auf den Historiker Herbert Meyer zurück, wobei ihre Existenz äußerst umstritten ist. Anders als bei der Muntehe war der Ehemann nicht Vormund seiner Gattin und die Ehe beruhte auf dem freien Willen des Ehepaares. Außerdem hatte die Frau genau wie ihr Ehemann das Recht, sich scheiden zu lassen. Kinder, die aus einer solchen Ehe hervorgingen unterstanden nur der Verfügungsgewalt der Mutter, nicht aber der des Vaters. Die Friedelehe wurde meist zwischen Paaren geschlossen, die aus unterschiedlichen Ständen kamen.
3. Die weit weniger romantische, Kebsehe leitet sich von dem mittelalterlichen Wort „Kebse“ her, das so viel wie „Nebenfrau“ bedeutet. Diese Form der Ehe wurde zwischen einen freien Mann (etwa einem Grundherren) und einer leibeigenen Frau geschlossen. Da der Mann frei über seine Leibeigenen verfügen konnte, konnte er jederzeit eine Frau in eine Kebsehe zwingen, wobei auch mehrere Kebsehen nebeneinander bestehen konnten. Kinder die aus einer solchen Verbindung hervorgingen, waren jedoch nicht erbberechtigt.

Kein Platz für Romantik

Romantische Liebe wurde als Grund für eine Heirat gänzlich abgelehnt, denn im Mittelalter ging man davon aus, dass diese schnell erlöschen würde. Eheliche Liebe aber sei stark und beständig. Gleich nach dem Hochzeitsmahl wurde vor Zeugen der Geschlechtsakt vollzogen. Auch wenn zu dieser Zeit sogar Geschlechtsverkehr, der zur Zeugung von Nachkommen stattfand, von Seiten der Kirche als leichte Sünde betrachtet wurde. Zwar galt Geschlechtsverkehr, der bloßer Lust entsprang, als schwere Sünde, doch musste die Ehefrau ihrem Ehegatten trotzdem stets zur Verfügung stehen. Diese Verpflichtung ging sogar so weit, dass sie für Ehefrauen sogar dann galt, wenn ihr Ehemann an der Pest erkrankt war. Obwohl von Ehefrauen absolute Treue erwartet wurde, war es üblich, dass Ehemänner es damit nicht allzu genau nahmen. Kaiser Friedrich II. soll seine Hochzeitsnacht etwa nicht mit seiner Ehefrau Jolanthe von Jerusalem, sondern mit ihrer Zofe verbracht haben. Während ein solcher Ehebruch für einen Mann jedoch kaum Folgen hatte, kam es mitunter vor, dass der Liebhaber einer verheirateten Frau zwar lebend, dafür aber mit amputierten Geschlechtsteilen davon kam.  

Fazit: Heiraten war also im oftmals wirklich dunklen Mittelalter kein traumhaftes Fest der Liebe zweier Menschen wie heute, sondern ein reines Geschäft.

 
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