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Flitterwochen

Heiraten rund um den Globus: Hochzeit in Kenia

Brautpreis in Rindern, Segen mit Milch und ein Verwöhnprogramm vor dem großen Tag: Wie Massai und Swahili in Kenia Hochzeit feiern, ist für uns oft überraschend.

Redaktion Hochzeit Brautinfo4 Min. Lesezeit

Heiraten rund um den Globus: Hochzeit in Kenia

In Kenia gibt es nicht die eine Hochzeitstradition. Das Land ist Heimat von mehr als 40 Volksgruppen, und jede hat ihre eigenen Bräuche. Bei den Massai im Süden wird eine Hochzeit ganz anders gefeiert als bei den Swahili an der Küste. Einige dieser Traditionen wirken auf uns fremd, manche auch problematisch. Zugleich wandelt sich vieles, gerade in den Städten heiraten viele Paare heute ganz ähnlich wie in Europa.

Hochzeit bei den Massai

Mehrere Ehefrauen und Brautpreis

Bei den Massai ist die Mehrehe nach traditionellem Recht erlaubt und in Kenia unter bestimmten Voraussetzungen auch gesetzlich anerkannt. Viele Männer haben eine oder zwei Ehefrauen, manche auch deutlich mehr. Traditionell bemaß sich das Ansehen eines Mannes an der Zahl seiner Frauen, Kinder und Rinder.

Vor der Hochzeit zahlt die Familie des Bräutigams der Brautfamilie einen Brautpreis. Er wird traditionell in Rindern entrichtet, die genaue Zahl handeln die Familien miteinander aus. Der Bräutigam kann seine Braut zwar grundsätzlich selbst wählen, die Eltern beider Seiten reden aber kräftig mit.

Lange hatte die Braut selbst kaum ein Mitspracherecht. Das führte dazu, dass junge Mädchen mit deutlich älteren Männern verheiratet wurden. In Kenia ist die Ehe heute erst ab 18 Jahren erlaubt und Zwangsheirat verboten. In manchen ländlichen Regionen kommen Kinderehen trotzdem noch vor, und zahlreiche Organisationen, darunter auch Massai-Frauen selbst, setzen sich dagegen ein.

Der Weg zum Eheglück

Bevor die Braut zu ihrem Bräutigam aufbricht, segnet ihr Vater sie auf besondere Weise: Er bespuckt Kopf und Brust mit Milch und wünscht ihr dabei viele Kinder. Milch gilt bei den Massai als Symbol für Leben und Wohlstand.

Auf dem Weg zum neuen Zuhause darf sich die Massai-Braut keinesfalls umdrehen. Der Überlieferung nach würde sie sonst zu Stein erstarren. Damit sie gut ankommt, räumen die Begleiter Steine und Äste aus dem Weg. Berichten zufolge wird die Braut bei der Ankunft von den Frauen der neuen Familie zunächst mit derben Sprüchen empfangen. Wer diese Prüfung gelassen erträgt, gilt als bereit für die Herausforderungen des Ehelebens.

Vor der Hütte ihrer Schwiegermutter weigert sich die Braut dann so lange einzutreten, bis ihr die Geschenke der neuen Familie großzügig genug erscheinen. Gefeiert wird schließlich in prächtigen, farbenfrohen Gewändern und mit reichem Perlenschmuck, für den die Massai weltberühmt sind.

Der Ehealltag

Nach der Hochzeit lebt jede Frau mit ihren Kindern in einer eigenen Hütte, die sie traditionell selbst baut. Hat ein Mann mehrere Frauen, hat jede ihren eigenen Haushalt. Aus der Ethnologie sind außerdem Bräuche bekannt, nach denen Männer derselben Altersgruppe einander Gastfreundschaft bis hin zur Ehefrau gewährten, ohne dass die Frauen gefragt wurden. Solche Traditionen werden heute zunehmend hinterfragt, nicht zuletzt wegen der gesundheitlichen Risiken und der fehlenden Selbstbestimmung der Frauen.

Hochzeit bei den Swahili

Die Swahili an der kenianischen Küste, etwa auf der Insel Lamu oder in Mombasa, feiern Hochzeit ganz anders. Ihre Kultur ist stark vom Islam und vom jahrhundertelangen Handel am Indischen Ozean geprägt.

Vor der Hochzeit gibt es für die Braut eine Art mehrtägiges Verwöhnprogramm. Die Körperhaare werden entfernt, anschließend wird sie mit Kokosöl massiert und mit Sandelholz und anderen Düften parfümiert. Als Brautschmuck werden ihr kunstvolle Hennamuster auf Arme, Hände und Füße gemalt.

Eine wichtige Rolle spielt die Somo, eine ältere, erfahrene Frau aus der Gemeinschaft. Diese Vertraute bereitet die Braut auf ihre Aufgaben in der Ehe vor, beantwortet Fragen zum Zusammenleben und klärt sie auf. Man erzählt sich sogar, dass sich besonders fürsorgliche Somos in der Hochzeitsnacht unter dem Ehebett versteckt hätten, um sicherzugehen, dass alles gut geht.

Die Feierlichkeiten selbst erstrecken sich oft über mehrere Tage, mit Musik, Tanz und Prozessionen, bei denen Frauen und Männer häufig getrennt feiern.

Fazit

So unterschiedlich die Hochzeitsbräuche in Kenia sind, eines haben sie gemeinsam: Eine Hochzeit ist immer ein großes Fest, das beide Familien gebührend feiern. Die Verbindung der Familien steht oft sogar mehr im Mittelpunkt als das Paar selbst. Bei den Gabra-Nomaden im Norden Kenias etwa zieht die Familie des Bräutigams mit ihrem Hab und Gut zur Familie der Braut, um dort gemeinsam ein neues Zuhause aufzubauen.

Und wenn ihr selbst im Ausland heiraten wollt?

Wer sich von fremden Bräuchen inspirieren lässt, muss nicht gleich auswandern: Viele Rituale lassen sich liebevoll in eine freie Trauung oder die Feier in Österreich einbauen. Wollt ihr tatsächlich im Ausland heiraten, klärt vorab, welche Dokumente ihr braucht und wie die Ehe in Österreich anerkannt wird. Einen guten Überblick gibt unser Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.

Kenia ist übrigens auch als Ziel für Flitterwochen mit Safari und Strand beliebt. Ideen dafür findet ihr in unserer Kategorie Hochzeitsreise und Flitterwochen.

Häufige Fragen

Wie heiraten die Massai in Kenia?

Bei den Massai zahlt die Familie des Bräutigams einen Brautpreis in Rindern. Die Braut wird vom Vater mit Milch gesegnet und zieht dann zur Familie des Mannes, wo in farbenfrohen Gewändern und mit Perlenschmuck gefeiert wird.

Was ist eine Somo bei den Swahili?

Eine Somo ist eine ältere, erfahrene Frau, die die Braut auf die Ehe vorbereitet und sie zum Zusammenleben berät. Außerdem klärt sie die Braut auf.

Ab welchem Alter darf man in Kenia heiraten?

In Kenia ist die Ehe gesetzlich erst ab 18 Jahren erlaubt. In einigen ländlichen Regionen kommen Kinderehen dennoch vor, dagegen wird aktiv vorgegangen.

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