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Flitterwochen

Heiraten rund um den Globus: Hochzeit in Grönland

Schlichte Rituale, Nationaltracht und ein Kaffeefest statt Hochzeitstorte: Wie Hochzeiten in Grönland früher abliefen und wie heute im hohen Norden geheiratet wird.

Redaktion Hochzeit Brautinfo3 Min. Lesezeit

Heiraten rund um den Globus: Hochzeit in Grönland

Grönland ist die größte Insel der Welt, aber nur rund 56.000 Menschen leben dort. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Inuit beziehungsweise Kalaallit, wie sich die grönländischen Inuit selbst nennen. Ihre Lebensweise und Kultur haben sich über Jahrhunderte an ein Leben im arktischen Klima angepasst, mit langen Wintern, harten Bedingungen und kleinen, eng verbundenen Gemeinschaften. Das prägte auch die Art, wie geheiratet wurde.

Früher: arrangierte und frühe Ehen

In der traditionellen Inuit-Gesellschaft war die Ehe vor allem eine praktische Verbindung. Ein Paar musste gemeinsam überleben können: Der Mann jagte, die Frau verarbeitete Felle und Fleisch und hielt den Haushalt zusammen. Weil die Lebenserwartung niedrig war, wurde früh geheiratet, oft schon in sehr jungen Jahren. Bei der Partnerwahl hatten die Eltern ein gewichtiges Wort mitzureden, die Wünsche junger Frauen zählten dabei häufig wenig.

Nicht selten beschlossen befreundete Familien eine Ehe, bevor die betreffenden Kinder überhaupt geboren waren. Waren die beiden alt genug, um eine Familie zu versorgen, wurde die Verbindung vollzogen. Solche Absprachen gab es in Teilen Grönlands noch bis in die 1970er-Jahre. Die meisten jungen Erwachsenen setzten sich später jedoch darüber hinweg und wählten selbst.

Heute: selbstbestimmt und gesetzlich geregelt

Heute gilt in Grönland ein modernes Eherecht. Paare entscheiden selbst, wen sie heiraten, und arrangierte Ehen spielen praktisch keine Rolle mehr. Wie in vielen Ländern leben außerdem immer mehr Menschen in Partnerschaften, ohne zu heiraten. Wer heiratet, tut das standesamtlich oder in der Kirche, meist in der evangelisch-lutherischen Kirche, die in Grönland stark verankert ist.

Das Hochzeitsfest

Anders als in Europa, wo einer Hochzeit oft eine Verlobung und monatelange Planung vorausgehen, war eine Heirat bei den Inuit früher kein aufwendig geplantes Fest. Statt einer großen Zeremonie tauschte ein Paar häufig nur ein Schmuckstück oder zog einfach zusammen. Besondere Hochzeitskleidung gab es nicht, Zweckmäßigkeit zählte mehr als Prunk, Deko oder mehrstöckige Torten.

Mit der Christianisierung änderte sich daran zunächst wenig, außer dass Paare nun von Priestern getraut werden konnten. Mit dem Aufbau einer staatlichen Verwaltung wurden Ehen dann auch offiziell registriert.

Heute tragen viele grönländische Brautpaare und Gäste zu festlichen Anlässen die farbenprächtige Nationaltracht, die Kalaallisuut, mit kunstvollen Perlenkragen und hohen Stiefeln aus Robbenleder. Gefeiert wird oft mit einem Kaffemik: einem offenen Fest, bei dem Familie, Freunde und Nachbarn vorbeikommen, Kaffee trinken und Kuchen und traditionelle Speisen genießen.

Und wie ist das nun mit dem Nasenkuss?

Ein verbreitetes Klischee besagt, Inuit würden sich nach der Trauung nur mit der Nase küssen. Tatsächlich gibt es einen zärtlichen Gruß, bei dem Nase und Oberlippe an die Haut des anderen gedrückt werden und man dabei einatmet, im Grönländischen Kunik genannt. Er drückt Zuneigung aus, vor allem gegenüber Kindern und nahestehenden Menschen. Mit einem Kuss, wie wir ihn kennen, ist er aber nicht gleichzusetzen. Dass Inuit sich ausschließlich mit der Nase küssen, gehört ins Reich der Mythen und geht vermutlich auf Berichte europäischer Reisender und Missionare zurück.

Ehe und Familie: früher und heute

In der traditionellen Gesellschaft war die Ehe weniger streng und endgültig, als es lange in Europa üblich war. Erst durch die Geburt eines Kindes wurde eine Verbindung wirklich gefestigt. Blieb eine Ehe kinderlos, kam es vor, dass sich Partner trennten und neu zusammenfanden, manche Menschen heirateten mehrmals, bevor sie ihren Partner fürs Leben fanden. Damit Trennungen einfacher waren, behielten beide Partner ihren eigenen Besitz.

Ethnologen berichten außerdem von Bräuchen, bei denen befreundete Paare unter gegenseitigem Einverständnis vorübergehend die Partner tauschten, etwa um Bündnisse zwischen Familien zu stärken. Auch Mehrehen kamen vor. Diese Praktiken gehören jedoch der Vergangenheit an und spielen im heutigen Grönland keine Rolle mehr.

Und wenn ihr selbst im Ausland heiraten wollt?

Wer sich von fremden Bräuchen inspirieren lässt, muss nicht gleich auswandern: Viele Rituale lassen sich liebevoll in eine freie Trauung oder die Feier in Österreich einbauen. Wollt ihr tatsächlich im Ausland heiraten, klärt vorab, welche Dokumente ihr braucht und wie die Ehe in Österreich anerkannt wird. Einen guten Überblick gibt unser Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.

Reizt euch der hohe Norden eher als Ziel für eine außergewöhnliche Hochzeitsreise, findet ihr Ideen in unserer Kategorie Hochzeitsreise und Flitterwochen.

Häufige Fragen

Küssen sich Inuit wirklich mit der Nase?

Nicht im Sinne eines Kusses. Der Kunik ist ein zärtlicher Gruß, bei dem Nase und Oberlippe an die Haut gedrückt werden. Dass Inuit sich nur so küssen, ist ein Klischee.

Wie wird heute in Grönland geheiratet?

Heute heiraten Paare in Grönland selbstbestimmt, standesamtlich oder kirchlich. Viele tragen dabei die traditionelle Nationaltracht und feiern mit einem Kaffemik für Familie und Freunde.

Was ist ein Kaffemik?

Ein Kaffemik ist ein typisch grönländisches Fest, bei dem Gäste vorbeikommen, Kaffee trinken und Kuchen sowie traditionelle Speisen essen. Es wird zu Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Anlässen gefeiert.

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