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Bräuche und Trauung

Orientalische Hochzeit: Bräuche, Rituale und Ideen aus 1001 Nacht

Henna-Abend, Hamam, Zaffa und mehrere Brautkleider: Wir zeigen euch, wie Hochzeiten im Orient gefeiert werden und wie ihr orientalische Elemente in eure eigene Feier holt.

Redaktion Hochzeit Brautinfo14 Min. Lesezeit

Orientalische Hochzeit: Bräuche, Rituale und Ideen aus 1001 Nacht, Bild 1

Beim Wort orientalisch tauchen sofort Bilder auf: leuchtende Farben, duftende Gewürze, süße Datteln, starker Tee, Trommelrhythmen und Melodien, die man so schnell nicht vergisst. Genau diese Sinnlichkeit prägt auch eine der faszinierendsten Formen, die Liebe zu feiern: die orientalische Hochzeit.

In vielen Ländern Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens werden alte Hochzeitstraditionen bis heute gepflegt, oft in einer spannenden Mischung mit modernen Elementen. Gerade das macht diese Feste so besonders. Damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, vergleichen wir zuerst grob, worin sich eine orientalische von einer typisch mitteleuropäischen Hochzeit unterscheidet. Danach nehmen wir euch mit auf eine Reise durch den Orient und stellen die bekanntesten Bräuche einzelner Länder vor. Zum Schluss gibt es Ideen, wie ihr Elemente aus 1001 Nacht in eure eigene Feier einbauen könnt.

Ein Hinweis vorab: Den einen Orient gibt es nicht. Die Region umfasst sehr unterschiedliche Länder, Religionen und Lebensweisen, und selbst innerhalb einer Familie wird oft ganz verschieden gefeiert. Die folgenden Beschreibungen zeigen traditionelle Grundmuster, keine festen Regeln.

Was eine orientalische Hochzeit von einer europäischen unterscheidet

Wie in Europa gibt es auch im Orient von Land zu Land große Unterschiede und ebenso viele Gemeinsamkeiten. Ein grober Vergleich hilft trotzdem, die Besonderheiten zu verstehen.

Dauer des Fests

Eine Hochzeit in Österreich oder Deutschland dauert meist einen Tag, manchmal mit Polterabend oder Brunch am nächsten Morgen. In vielen orientalischen und islamisch geprägten Ländern erstreckt sich das Fest dagegen traditionell über mehrere Tage, in manchen Regionen über bis zu sieben Tage mit unterschiedlichen Etappen und Feiern.

Zahl der Gäste

Orientalische Hochzeiten sind traditionell große Feste. Mehrere hundert Gäste sind keine Seltenheit, bei großen Familien werden es auch 500 und mehr. Ähnlich ist es in Teilen Osteuropas, wo ebenfalls gern in großem Kreis gefeiert wird. In Westeuropa liegen viele Hochzeiten dagegen eher im Bereich von 50 bis 100 Gästen, auch wenn es natürlich Ausnahmen in beide Richtungen gibt.

Getrennt oder gemeinsam feiern

Ein weiterer Unterschied: Auf traditionellen orientalischen Hochzeiten feiern Frauen und Männer teilweise in getrennten Räumen oder Bereichen. Wie streng das gehandhabt wird, hängt stark davon ab, wie eng sich eine Familie an die Überlieferung hält. Bei moderneren Familien feiern Frauen und Männer zumindest die wichtigsten Programmpunkte gemeinsam, oft auch das ganze Fest.

Die Braut im Mittelpunkt

Der Star jeder orientalischen Hochzeitsfeier ist die Braut. Im Lauf des Fests wechselt sie häufig mehrmals das Outfit, oft mindestens dreimal, in manchen Ländern noch öfter. Jedes Kleid hat dabei seine eigene Bedeutung, etwa als traditionelle Tracht der Region, als festliches Abendkleid oder als weißes Brautkleid im westlichen Stil.

Aufwand als Zeichen der Wertschätzung

Orientalische Hochzeiten sind traditionell sehr ausgiebig. Üppiges Essen, Musik, Tanz und prachtvolle Kleidung sind Ausdruck von Gastfreundschaft und zeigen, welchen Stellenwert das Ereignis für beide Familien hat. Nicht selten sparen Eltern über Jahre auf diesen Tag.

Die Rolle der Familie

In Mitteleuropa planen Brautpaare ihre Hochzeit heute meist selbst und holen die Familie nur punktuell dazu. Im Orient ist das traditionell anders: Hier wird die ganze Familie gefragt. Bei der Verlobung steht sie im Zentrum, redet bei der Planung mit, trägt oft einen großen Teil der Kosten und spielt natürlich auf dem Fest selbst eine Hauptrolle.

Der typische Ablauf einer orientalischen Hochzeit

So unterschiedlich die Bräuche von Land zu Land sind, viele orientalische Hochzeiten folgen einem ähnlichen Rahmen. Bevor wir zu den einzelnen Ländern kommen, hier der grobe Ablauf.

1. Die Verlobung

Der erste und wichtigste Schritt ist die Verlobung. Traditionell findet sie im engsten Familien- und Freundeskreis von Braut und Bräutigam statt. Dabei hält der Mann beim Vater der Braut um ihre Hand an.

Viele Paare verbinden heute beide Welten: Der eigentliche Antrag passiert in einem privaten, romantischen Moment zu zweit. Einige Tage später kommen dann Familie und Freunde zusammen, um die Verlobung auch auf traditionelle Weise zu feiern, nicht zuletzt aus Respekt vor den älteren Familienmitgliedern.

Die Verlobungszeit dauert meist zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In dieser Zeit wird gespart und gemeinsam geplant, und kaum eine Entscheidung fällt ohne die beiden Familien. Besonders bei türkischen Verlobungsfeiern wird die Familie großgeschrieben.

2. Die religiöse Eheschließung

Nach einiger Zeit folgt eine sehr wichtige religiöse Zeremonie, bei der die Ehe besiegelt wird. In islamisch geprägten Ländern ist das der Ehevertrag, je nach Region Nikah, Katb al-Kitab oder Aqd genannt. Eingeladen sind meist nur die wichtigsten Familienmitglieder und engsten Freunde. Gemeinsam wird für den Segen der neuen Ehe gebetet.

Anschließend unterschreibt das Paar die Dokumente. In Marokko werden sie beispielsweise von einem staatlich beauftragten Notar, dem Adoul, vorbereitet. Eine wichtige Rolle spielen die Trauzeugen, denn sie bestätigen, dass beide Familien und beide Eheleute mit der Ehe einverstanden sind.

Je nach Land ist diese Zeremonie zugleich die rechtliche Eheschließung, nach der das Paar eine beglaubigte Heiratsurkunde erhält. Auch Paare, die bereits standesamtlich verheiratet sind, ziehen in traditionellen Familien oft erst nach dieser religiösen Besiegelung und der großen Feier zusammen.

3. Der Hamam-Besuch

Vor der Hochzeit treffen sich die weiblichen Familienmitglieder und Freundinnen der Braut im Hamam, dem orientalischen Dampfbad. Einerseits ist das Entspannung pur: Baden, Wasserdampf, Massagen, Tee und lange Gespräche unter Frauen.

Andererseits steht der Hamam-Besuch für die Reinigung von Körper und Geist der Braut. Dabei werden je nach Region eigene kleine Zeremonien für sie abgehalten, etwa mit Gesang, besonderen Ölen oder Peelings. Auf den Hamam folgt meist der Henna-Abend.

4. Der Henna-Abend

Auch der Henna-Abend ist traditionell den Frauen vorbehalten. In dieser Nacht werden Hände und Füße der Braut mit kunstvollen Henna-Mustern bemalt.

Die Zeichnungen sind nicht nur Schmuck für das Fest, sie haben auch eine tiefere Bedeutung: Jedes Muster gilt als Segen für die Ehe und soll die Braut vor äußeren Gefahren, dem bösen Blick und bösen Geistern schützen. Nach dem Ritual wird gesungen und getanzt.

Während die Frauen den Henna-Abend feiern, kommt auch der Bräutigam an einem anderen Ort mit seinen Freunden und männlichen Verwandten zusammen, um die bevorstehende Hochzeit zu feiern.

5. Die Hochzeitsfeier

Zum Schluss folgt das eigentliche Fest, das sich je nach Tradition über mehrere Tage ziehen kann. Es wird getanzt, gesungen und aufgetischt, und die Gäste genießen eine Fülle an Speisen und Süßigkeiten.

Im Mittelpunkt steht wieder die Braut. In manchen Ländern wechselt sie an einem einzigen Abend mehrmals ihr Kleid, was auch den Wohlstand und die Freude der neuen Familie zeigen soll. Und ganz nebenbei ist die Hochzeit traditionell ein wichtiger Treffpunkt für die ledigen Gäste: Nicht wenige lernen hier ihre große Liebe kennen.

Hochzeitsbräuche im Orient: eine Reise von Land zu Land

Andere Länder, andere Sitten. Auf unserer kleinen Reise durch den Orient lernt ihr die bekanntesten Bräuche näher kennen. Bei allen Unterschieden gibt es viele Gemeinsamkeiten: Verlobung, Henna-Abend, eine Mitgift oder Aussteuer, fröhliche und laute Feiern, Musik und Tanz, in manchen Ländern auch Bauchtanz, gehören fast überall dazu.

Ägypten: die Aussteuer

In Ägypten gilt die Hochzeit als einer der wichtigsten Tage im Leben eines Paares, und die Eltern sparen oft jahrelang dafür. Viele Bräuche, die in Europa seit Jahrzehnten verschwunden sind, werden hier noch gelebt.

Großen Wert legt man etwa auf die Aussteuer, also auf das, was die Braut in die Ehe mitbringt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Teppiche und Vorhänge
  • Küchenschränke, Kühlschrank und Herd
  • Geschirr und Töpfe
  • Accessoires für das gemeinsame Zuhause

Der Bräutigam ist traditionell dafür zuständig, die Wohnung zu stellen. Am Tag vor der Hochzeit bringen die weiblichen Verwandten der Braut die Aussteuer in die gemeinsame Wohnung und richten alles für das Paar her. Die Braut selbst betritt die Wohnung erst nach der Hochzeitsfeier.

Afghanistan: der Messertanz

Auf einer afghanischen Hochzeit darf der Messertanz nicht fehlen. Dabei tanzen eine oder mehrere Verwandte der Braut mit dem Tortenmesser um den Bräutigam herum.

Ziel ist es, ihm das Messer zu verkaufen. Der Witz dabei: Der Bräutigam muss meist mehrmals zahlen, bevor er es tatsächlich bekommt. Hat er das Messer endlich ersteigert, schneidet er gemeinsam mit seiner Braut die Hochzeitstorte an.

Wenn alle Gäste ein Stück Torte bekommen haben, geht das Paar von Tisch zu Tisch und bedankt sich persönlich bei jedem Gast. Damit endet traditionell die Feier.

Algerien: Brautkostüme als Kulturerbe

Im Nordwesten Algeriens, vor allem rund um Tlemcen, werden für die Hochzeit besondere Riten und prachtvolle Brautkostüme vorbereitet. Die Kleider sind aufwendig mit Gold und Perlen verziert und tragen eine vielschichtige Symbolik für das Paar und beide Familien. Deshalb wird diese Tradition von Generation zu Generation weitergegeben.

Im Dezember 2012 wurden die Riten und das Handwerk rund um dieses Hochzeitskostüm in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Iran: die Aghd-Zeremonie

Auch iranische Hochzeiten können sich über mehrere Tage erstrecken. Ein besonderer Moment ist die Aghd-Zeremonie, die eigentliche Trauung.

Das Paar sitzt dabei in einem Raum vor einem kunstvoll gedeckten Tuch, dem Sofreh-ye Aghd, das traditionell Richtung Osten, zum Sonnenaufgang, ausgerichtet ist. Darauf liegen verschiedene Gegenstände, die jeweils eine Bedeutung haben:

  • Eier oder Nüsse: Fruchtbarkeit
  • Goldmünzen: Reichtum und Erfolg
  • Weihrauch: Schutz vor dem bösen Blick
  • Honig: Süße im gemeinsamen Leben
  • Fladenbrot (Noon-e Sangak): Segen für die gemeinsame Zukunft

Das Paar betet gemeinsam, danach kommen die Gäste in den Raum, überbringen ihre Geschenke und ihre Segenswünsche.

Israel: die Chuppa

Bei der jüdischen Trauung steht das Paar unter der Chuppa, was sich in etwa mit "Dach über dem Kopf" übersetzen lässt. Gemeint ist ein Traubaldachin, der auf allen vier Seiten offen ist.

Die Chuppa symbolisiert das gemeinsame Zuhause, das das Paar mit der Eheschließung gründet. Gestalten lässt sie sich ganz persönlich, sie muss weder aus einem bestimmten Material bestehen noch religiöse Muster tragen. Manche Paare schmücken sie mit ihren Namen, mit Symbolen, die ihnen viel bedeuten, oder mit Motiven aus ihrer Herkunft und Lebensgeschichte.

Jemen: das Fest der Freude

Im Jemen nennt man die Hochzeit das Fest der Freude. Traditionell wird drei Tage lang gefeiert, und häufig beginnt das Fest an einem Mittwoch.

In diesen drei Tagen passiert vieles, und fast alles ist mit alten Traditionen verbunden. Ein Höhepunkt kommt am dritten Tag: Der Bräutigam gibt Schüsse in die Luft ab und eröffnet damit die letzte große Feier. Dann wird gesungen, laut musiziert und getanzt, und anschließend genießen die Gäste ein orientalisches Festmahl, traditionell nach Frauen und Männern getrennt.

Jordanien: der Autokorso

Nach tagelangen Vorbereitungen und Feiern kommt der Höhepunkt: der Hochzeitstag. Familie und Freunde des Bräutigams versammeln sich und fahren in einer langen Autokolonne zum Elternhaus der Braut, um sie dort abzuholen.

Sobald die Braut aus dem Haus tritt, sind Freudenschüsse zu hören, und das Fest beginnt offiziell. Das Paar fährt gemeinsam mit dem Vater und den Brüdern der Braut zur Location. Auf dem Weg dorthin wird in jedem Auto laute Musik gespielt und gehupt, ein Brauch, den viele auch aus Osteuropa und von Hochzeiten in Österreich kennen.

Kuwait: Musik und Tanz als Kulturerbe

In Kuwait steht die Hochzeit vor allem dafür, dass zwei Familien zu einer werden. Großen Wert legt man auf traditionelle Musik und Tänze, weil sie das kulturelle Erbe des Landes widerspiegeln.

Frauen und Männer haben dabei ihre eigenen Tänze. Die Männer führen etwa den Ardah auf, einen Tanz mit Schwertern. Die Frauen tanzen unter anderem Khamari, Al-Zifan, Samiri und Fraisah. So wird das Ereignis mit kräftigen Trommelrhythmen und viel Bewegung gefeiert.

Marokko: der große Auftritt der Braut

Aufwendig, ausgiebig und beeindruckend: So lässt sich eine marokkanische Hochzeit gut beschreiben. Die Braut ist hier die wichtigste Person des Abends, und das wird auf ganz besondere Weise gezeigt.

Die Feier beginnt meist erst in den späten Abendstunden, und zwar mit einem spektakulären Einzug der Braut. Dabei wird die Braut auf einer Art Sänfte, der Amariya, oder auf einem Stuhl durch den ganzen Saal getragen, damit alle Gäste sie bewundern können.

Auch in Marokko wechselt die Braut im Lauf der Nacht mehrmals ihr Outfit, oft bis zu siebenmal, und präsentiert dabei Kaftane und Trachten aus verschiedenen Regionen des Landes.

Palästina: das Festessen am Vortag

Am Tag vor der großen Feier lädt die Familie des Bräutigams zu einem Hochzeitsessen. Früher war es üblich, dass der Bräutigam am Morgen ein Schaf schlachtete, das dann für Familie und Freunde zubereitet wurde.

Heute kommt das nur noch selten vor. Die Familie und die Freunde des Bräutigams versammeln sich aber nach wie vor, und die Frauen bereiten gemeinsam verschiedenste orientalische Köstlichkeiten zu. Auf der Hochzeitsfeier selbst dominieren dann traditionell die Süßigkeiten.

Saudi-Arabien: Kamelrennen als Unterhaltung

In Saudi-Arabien wird traditionell nicht nur mit Musik, Tanz und üppigem Essen gefeiert. Bei manchen Hochzeiten, vor allem in ländlichen Regionen, gehört auch ein Kamelrennen zum Programm, bei dem die Gäste mitfiebern und wetten können. Früher wurden die Tiere danach teilweise für das Festmahl geschlachtet.

Sudan: das Reinigungsritual

Im Sudan gibt es bis heute ein Reinigungsritual, die Laylat al-Hinna. Der Bräutigam macht sich mit Freunden und engen Verwandten auf den Weg zur Braut und führt die Prozession an.

Meist gibt ein Mann als Vorsänger den Ton an, während die mitgehenden Frauen singen, tanzen und trommeln. Der Vorsänger trägt ein langes Gewand, seine Augen sind mit Kohl umrandet, und er ist stark parfümiert.

Die Braut wartet zu Hause auf den Bräutigam, ihr Gesicht ist traditionell verhüllt. Der Bräutigam nimmt ein Stück Henna und reibt es in ihre Handfläche. Danach folgt eine weitere symbolische Reinigung: Der Bräutigam isst nur helle Speisen wie Sauermilch, Reis und Butter. Die Farbe Weiß steht dabei für Reinheit, Glück und fast schon magische Kraft.

Türkei: Goldmünze und Namen auf der Schuhsohle

Beim türkischen Henna-Abend, der Kına Gecesi, bekommt die Braut von ihrer Schwiegermutter eine Goldmünze. Erst dann öffnet sie ihre Hände, und die Bemalung kann beginnen.

Am Hochzeitstag legt die Braut dieselbe Münze in ihren Brautschuh. Die Münze soll Wohlstand und Glück in die Ehe bringen.

Ein weiterer Brauch ist bei unverheirateten Freundinnen der Braut äußerst beliebt: Die Braut schreibt deren Namen auf die Sohlen ihrer Brautschuhe. Wessen Name am Ende der Feier nicht mehr lesbar ist, darf sich auf die eigene baldige Hochzeit freuen.

Tunesien: lange Vorbereitung der Braut

In Tunesien bereitet sich die Braut traditionell schon Wochen vor dem großen Tag vor. Früher verließ sie in dieser Zeit kaum das Haus, damit ihre Haut möglichst hell blieb, denn helle Haut galt als Schönheitsideal. Für das Fest wird sie dann aufwendig und ausdrucksstark geschminkt.

Die Zeit im Haus sollte nach alter Vorstellung auch zeigen, dass sie ihren künftigen Haushalt gut führen wird. Zur Feier begleitet sie zudem traditionell eine ältere Frau, die die Braut vor dem bösen Blick und schlechten Einflüssen schützen soll. Viele dieser Bräuche werden heute nur noch symbolisch oder gar nicht mehr gelebt.

Vereinigte Arabische Emirate: die Zaffa

Auf arabischen Hochzeiten, auch in den Emiraten, ist die Zaffa ein besonders beliebter Programmpunkt. Gemeint ist ein festlicher Hochzeitszug mit Musik.

Direkt nach dem Jawort bilden die Gäste gemeinsam mit Tänzern und Musikern einen Zug, tanzen und trommeln und kündigen so das frisch verheiratete Paar feierlich an. Danach geht es weiter zur Location, wo ein fröhliches Fest auf alle wartet.

Eure Hochzeit im orientalischen Stil

Hochzeiten mit einem besonderen Thema sind beliebt, und der Orient bietet dafür eine Fülle an Inspiration. Das Schöne daran: Ihr müsst nicht alles übernehmen. Schon ein paar gut gewählte Elemente machen eure Feier unverwechselbar. Ob ihr von einer marokkanischen Nacht träumt, eigene Wurzeln im Orient habt oder einfach die Farben und Rituale liebt: Holt euch das, was zu euch passt.

Farben und Dekoration

Denkt man an den Orient, sieht man sofort Farben. Kräftige Töne wie Türkis, Königsblau, Safrangelb, Violett, Rot, Smaragdgrün und Orange lassen sich wunderbar kombinieren, am besten mit Gold oder Messing als verbindendem Element. Diese Palette könnt ihr durch alle Bereiche ziehen:

  • Tischdeko: Laternen, Messingschalen, bunte Gläser, Teppiche und Bodenkissen für eine Lounge-Ecke
  • Floristik und Brautstrauß: satte Farben, Rosen, Pfingstrosen oder Orchideen, dazu Granatäpfel oder Datteln als Akzente
  • Papeterie: Einladungen, Menükarten und Tischkarten mit Ornamenten, Bögen und Goldprägung

Für die Umsetzung lohnt sich ein Blick auf Profis für Hochzeitsdeko und Styling, die Erfahrung mit Themenhochzeiten haben und oft passende Leihartikel im Fundus führen.

Rituale, die ihr übernehmen könnt

  • Henna-Abend: als Alternative oder Ergänzung zum Polterabend oder Junggesellinnenabschied, mit einer Henna-Künstlerin und Tee
  • Hamam-Tag: ein Wellness-Nachmittag mit den Trauzeuginnen und Freundinnen vor der Hochzeit
  • Zaffa: ein Einzug mit Trommeln und Musik, der eure Gäste sofort in Feierlaune bringt
  • Outfitwechsel: ein zweites Kleid für den Abend, etwa ein Kaftan, als Hommage an die orientalische Tradition

Unterhaltung und Musik

Als Programmpunkt passen Bauchtänzerinnen, Trommelgruppen oder eine Band, die orientalische Rhythmen mit Pop verbindet. Passende Künstlerinnen und Künstler findet ihr im Bereich Show und Entertainment.

Essen und Gastgeschenke

Ein Buffet mit Mezze, Couscous, Tajine und süßem Gebäck wie Baklava passt perfekt zum Thema, dazu frischer Minztee. Auch die Gastgeschenke dürfen orientalisch sein, zum Beispiel:

  • verschiedene Teesorten in kleinen Dosen
  • Säckchen mit Datteln oder Trockenfrüchten
  • orientalische Süßigkeiten wie Lokum
  • kleine Fläschchen oder Gläser mit Gewürzmischungen

Rechtlicher Hinweis für Österreich

Wenn ihr in Österreich heiratet, ist nur die standesamtliche Trauung rechtsgültig. Eine religiöse Zeremonie wie eine Nikah oder eine Trauung unter der Chuppa könnt ihr zusätzlich feiern, sie ersetzt das Standesamt aber nicht. Was ihr dafür braucht, lest ihr in unserem Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.

Fazit

Auch wenn die Moderne im ganzen Orient längst Einzug gehalten hat, halten Alt und Jung vielerorts an den überlieferten Bräuchen fest. Gerade diese Verbindung aus Tradition, Familie, Musik und Gastfreundschaft macht orientalische Hochzeiten so eindrucksvoll.

Wir hoffen, wir konnten euch den Orient ein Stück näherbringen, ihr habt etwas Neues entdeckt und vielleicht die eine oder andere Idee für eure eigene Hochzeit gefunden.

Bildergalerie

Häufige Fragen

Was passiert an einem Henna-Abend?

Am Henna-Abend werden Hände und Füße der Braut mit Henna-Mustern bemalt, die als Segen und Schutz für die Ehe gelten. Traditionell feiern dabei die Frauen mit Musik, Tanz und Tee, während der Bräutigam separat mit Freunden feiert.

Wie lange dauert eine orientalische Hochzeit?

Das hängt stark von Land und Familie ab. Traditionell ziehen sich die Feierlichkeiten mit Henna-Abend, religiöser Zeremonie und Fest oft über mehrere Tage, in manchen Regionen über bis zu sieben Tage.

Ist eine Nikah in Österreich als Eheschließung gültig?

Nein, in Österreich ist nur die standesamtliche Trauung rechtsgültig. Eine religiöse Zeremonie wie die Nikah könnt ihr zusätzlich feiern.

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