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Bräuche und Trauung

Heiraten in der Nachkriegszeit: Eine Wiener Hochzeit im Jahr 1948

Geliehenes Kleid, Plastiktulpen und ein Viertelkilo Bohnenkaffee als Geschenk: Die wahre Geschichte einer Wiener Hochzeit im Jahr 1948 zeigt, wie bescheiden damals gefeiert wurde.

Redaktion Hochzeit Brautinfo2 Min. Lesezeit

Heiraten in der Nachkriegszeit: Eine Wiener Hochzeit im Jahr 1948

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Österreich an ein rauschendes Hochzeitsfest kaum zu denken. Die Aufräumarbeiten in den Städten liefen noch, viele Männer, Söhne und Verlobte waren gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft, und nur langsam kehrten Heimkehrer zurück. Mit dem Marshallplan begann sich die wirtschaftliche Lage ab 1948 allmählich zu bessern. Trotzdem waren die meisten Menschen froh, wenn sie genug Geld für das Lebensnotwendige hatten.

Geheiratet wurde trotzdem, und zwar viel. Die Hochzeiten waren bescheiden, aber voller Zusammenhalt, Improvisation und Hilfsbereitschaft von Familie und Freunden.

Die wahre Geschichte einer Hochzeit im Jahr 1948

Samstag, 3. April 1948: Im 21. Wiener Gemeindebezirk bereitet sich eine junge Frau darauf vor, den Bund fürs Leben zu schließen. Am Vormittag finden sich Braut Angela und Bräutigam Fritz im Standesamt Wien-Floridsdorf ein und werden standesamtlich getraut.

Am Nachmittag geht die Hochzeitsgesellschaft zu Fuß zur Pfarrkirche Jedlesee, wo um 15 Uhr die kirchliche Trauung stattfindet. Einen geschmückten Autokorso, wie er heute üblich ist, gibt es nicht. In die Kirche sind etwa 100 Gäste geladen.

Das Brautkleid: geliehen

Angela trägt ein Brautkleid, das sie in einem Geschäft im 18. Bezirk ausgeliehen hat. Die Schuhe borgt ihr eine Freundin. Nur das Unterkleid darf sie behalten: Den Stoff dafür hat sie von ihrer Firmpatin als Hochzeitsgeschenk bekommen.

Brautstrauß und Ringe: improvisiert

Auf dem Weg zum Altar hält sie einen Brautstrauß aus gelben Plastiktulpen in der Hand, frische Blumen waren schlicht nicht leistbar. Für die Trauringe wird Schmuck der verstorbenen Mutter des Bräutigams eingeschmolzen und neu gegossen.

Die Feier: klein, aber herzlich

Nach der Trauung gibt es einen kleinen Empfang für 20 Gäste. Ein befreundeter Greißler schenkt dem Paar einen Gugelhupf und einen Striezel, die den Gästen serviert werden. Außerdem bekommt das Brautpaar ein Viertelkilo Bohnenkaffee geschenkt, im Jahr 1948 ein echtes Luxusgut.

Was wir heute von dieser Hochzeit lernen können

Die Geschichte von Angela und Fritz zeigt, dass ein schöner Hochzeitstag nicht vom Budget abhängt. Viele Ideen aus der Nachkriegszeit sind heute wieder ganz aktuell:

  • Leihen statt kaufen: Brautkleider zu mieten oder Second-Hand zu kaufen ist nachhaltig und schont das Budget.
  • Familienschmuck umarbeiten: Aus Erbstücken lassen sich ganz persönliche Trauringe fertigen.
  • Hilfe aus dem Umfeld: Kuchen von Freunden, geliehene Deko und gemeinsames Anpacken machen ein Fest persönlich.
  • Getrennte Feiern: Eine größere Trauung und danach ein kleiner Kreis beim Essen ist auch heute ein beliebtes Modell.

Wie viel eine Hochzeit heute kostet und wo ihr sparen könnt, lest ihr in unserem Ratgeber Was kostet eine Hochzeit in Österreich?

Faktenbox: Eheschließungen damals und später

Im Jahr 1948 wurden in Österreich 71.904 Ehen geschlossen, ein sehr hoher Wert. Viele Paare holten nach, was in den Kriegsjahren nicht möglich gewesen war. Im Jahr 2010 waren es dagegen nur noch 38.592 Eheschließungen. Aktuelle Zahlen zu Eheschließungen in Österreich veröffentlicht die Statistik Austria.

Häufige Fragen

Wie hat man nach dem Krieg in Österreich Hochzeit gefeiert?

Sehr bescheiden: Brautkleider wurden oft geliehen, Ringe aus Familienschmuck gegossen und die Feier fand im kleinen Kreis statt. Lebensmittel und Geschenke kamen häufig von Freunden und Nachbarn.

Wie viele Ehen wurden 1948 in Österreich geschlossen?

Im Jahr 1948 wurden in Österreich 71.904 Ehen geschlossen, deutlich mehr als in späteren Jahrzehnten. Aktuelle Zahlen veröffentlicht die Statistik Austria.

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