Bräuche und Trauung
Heiraten im 18. Jahrhundert: Bräuche und Regeln von damals
Rosmarin, Kranzltanz und strenge Gästelimits: So feierte man im 18. Jahrhundert in Österreich Hochzeit, und manches davon findet sich bis heute in unseren Bräuchen.
Redaktion Hochzeit Brautinfo2 Min. Lesezeit

Wer heute eine Hochzeit plant, entscheidet selbst über Gästeliste, Menü und Tanzfläche. Im 18. Jahrhundert sah das anders aus: Herrschaften und Behörden redeten kräftig mit, und viele Bräuche hatten einen ganz praktischen oder religiösen Hintergrund. Gleichzeitig wurden in dieser Zeit Tanz und Musik zu einem festen Bestandteil der Hochzeitsfeier. Ein Blick zurück zeigt, woher einige unserer Traditionen kommen.
Rosmarin und „Limoniapfel“ bei der Trauung
Aus dem Waldviertel ist aus dem Jahr 1772 überliefert, dass bei der Trauung ein Rosmarinzweig und ein „Limoniapfel“, also eine Zitrusfrucht, geopfert wurden. Dieser Brauch war allerdings vor allem in protestantischen Gebieten verbreitet.
Rosmarin galt lange als Symbol für Treue und Erinnerung und war in vielen Regionen Teil des Brautschmucks. Wer heute einen Zweig Rosmarin in den Brautstrauß oder ins Anstecksträußchen binden lässt, knüpft also an eine sehr alte Tradition an. Sprecht eure Floristin ruhig darauf an.
Schenken und Ausstatten: das Möbelbrauchtum
Die Überlieferungen erzählen auch viel vom Schenken und Ausstatten des jungen Paares. Zum sogenannten Möbelbrauchtum gehörte das Schenken von Hochzeitskästchen, Truhen, Kästen, Wiegen und Betten. Diese Stücke wurden häufig mit Hochzeitssinnbildern verziert, etwa mit Herzen, Blumen, Initialen und dem Jahr der Hochzeit.
Solche bemalten Brauttruhen und Kästen sind heute in vielen Heimat- und Volkskundemuseen zu sehen. Sie waren mehr als Möbel: Sie zeigten, was die Braut in die Ehe mitbrachte, und blieben oft über Generationen in der Familie.
Der Kranzltanz am Dachstein
Im 18. Jahrhundert legte die Herrschaft in der Dachsteinregion fest, dass die Brautleute beim Kreuz unterhalb des Dachsteins drei Tänze, sogenannte Frontänze, aufzuführen hatten. Außerdem waren sie verpflichtet, der Herrschaft Kranz und Krapfen, also Kranzgebäck, zu überreichen.
Im Gegenzug schickte die Herrschaft den Hochzeitern eine „Kandl Wein“ und ließ drei Salutschüsse abgeben. Tanz, Gebäck und Böllerschüsse: Elemente, die bei ländlichen Hochzeiten in Österreich bis heute eine Rolle spielen.
Strenge Regeln in Gegenreformation und Aufklärung
Zahlreiche behördliche Vorschriften aus der Zeit der Gegenreformation und der Aufklärung schränkten die Hochzeitsfeste in Niederösterreich deutlich ein. Den Obrigkeiten waren ausufernde Feiern ein Dorn im Auge, sowohl aus moralischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen.
- Gästezahl: Vermögende Leute durften nicht mehr als 44 Personen einladen, ärmere nur bis zu 20 Personen.
- Speisen: Erlaubt war nur eine begrenzte Anzahl an Gerichten.
- Dauer: Jede Hochzeit sollte am dritten Tag mit drei oder vier Mahlzeiten abgeschlossen werden.
Mehrtägige Hochzeitsfeste waren damals also keine Seltenheit, sie wurden nur begrenzt. Spannend ist, dass die Frage nach der passenden Gästezahl bis heute jedes Brautpaar beschäftigt, auch wenn ihr sie heute ganz frei beantworten könnt.
Was davon geblieben ist
Vieles aus dem 18. Jahrhundert lebt in abgewandelter Form weiter: Rosmarin im Brautstrauß, Kranzgebäck und Krapfen als Gastgeschenk, Böllerschüsse und der Ehrentanz des Brautpaares. Wenn ihr Lust auf eine Hochzeit mit regionalem Brauchtum habt, lohnt sich ein Gespräch mit älteren Familienmitgliedern. Oft wissen sie noch, was in eurer Gegend früher üblich war.
Häufige Fragen
Wie wurde im 18. Jahrhundert Hochzeit gefeiert?
Hochzeiten dauerten oft mehrere Tage, waren aber in manchen Regionen streng reglementiert, etwa bei Gästezahl und Speisen. Tanz, Musik, Gebäck und Salutschüsse gehörten vielerorts dazu.
Welche Bedeutung hat Rosmarin bei der Hochzeit?
Rosmarin galt lange als Symbol für Treue und Erinnerung. Er wurde früher bei Trauungen verwendet und findet sich heute wieder gern in Brautsträußen und Anstecksträußchen.


