Bräuche und Trauung
Die hinduistische Hochzeit: Rituale, Farben und ihre Bedeutung
Mehrere Festtage, heiliges Feuer, Henna und sieben Schritte: So läuft eine hinduistische Hochzeit ab und das bedeuten ihre wichtigsten Rituale.
Redaktion Hochzeit Brautinfo4 Min. Lesezeit

Eine hinduistische Hochzeit ist ein Fest voller Bräuche und Rituale, Farben, Musik und Lebensfreude, das sich oft über mehrere Tage erstreckt. Indische Hochzeiten erzählen von reicher Kultur, Tradition und regionaler Identität: Jede Region und oft jede Familie folgt ihren eigenen überlieferten Zeremonien.
Die Bedeutung der Ehe im Hinduismus
Anders als im Buddhismus ist die Hochzeit im Hinduismus eine bedeutende religiöse Zeremonie. Sie zählt zu den wichtigsten der traditionellen Lebensrituale, der sogenannten Samskaras. Das Wort lässt sich ungefähr mit „Prägung“ oder „Eindruck“ übersetzen.
Eine Hindu-Hochzeit steht für gegenseitiges Verständnis, Hingabe, Liebe, Einheit und gemeinsames spirituelles Wachstum. Sie bedeutet mehr als ein großes Fest: Sie verlangt Opferbereitschaft, Gemeinschaftssinn und Engagement. Die Ehe gilt als Institution, die die wahren Werte des Lebens lehrt, und sie verbindet nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Familien.
Die Zeremonie unter dem Mandap
Traditionell richten meist die Eltern der Braut die Hochzeit aus. Der Ort wird zwischen beiden Familien abgestimmt. Die eigentliche Zeremonie findet häufig im Freien unter einem geschmückten Baldachin statt, dem Mandap, und wird von einem Priester geleitet.
Ein Fest über drei, vier oder fünf Tage ist keine Seltenheit. Grob unterteilt sich die Hochzeit in drei Teile: die Rituale vor der Hochzeit, die eigentliche Trauungszeremonie und die Bräuche danach. Jedes einzelne Ritual hat eine eigene, tiefe Bedeutung.
Vor der Hochzeit: Sterne und Henna
Der Termin wird berechnet
Traditionell berechnet ein Astrologe aus den Geburtsdaten des Paares einen günstigen Hochzeitstermin und oft sogar die genaue Uhrzeit. An diesen Termin hält man sich dann. Danach folgt die Verlobung, bei der vielfach auch Ringe getauscht werden.
Mehndi: die Henna-Bemalung
Vor der Hochzeit werden Hände und Füße der Braut kunstvoll mit Henna bemalt, oft bei einem eigenen Fest mit Musik und Tanz im Kreis der Frauen. Die Kleidung ist sehr farbenfroh: In vielen Regionen trägt die Braut Rot, die Farbe für Glück und Fruchtbarkeit, je nach Tradition aber auch andere Farben. Manche Bräute wechseln im Lauf der Feierlichkeiten mehrmals das Gewand.
Die Trauungszeremonie
Die Hände werden verbunden
Ein bewegender Moment ist, wenn der Brautvater die Hand der Braut in die des Bräutigams legt. Die beiden werden anschließend symbolisch, etwa mit einem Schal oder Tuch, miteinander verbunden.
Die Umrundung des heiligen Feuers
Im Zentrum der Zeremonie steht das heilige Feuer, Agni, das als göttlicher Zeuge gilt. Das Brautpaar umrundet es mehrmals, je nach regionaler Tradition vier- oder siebenmal. Die Runden stehen für die großen Ziele eines erfüllten Lebens, darunter Pflichterfüllung, Wohlstand, Liebe und schließlich die Befreiung der Seele.
Saptapadi: die sieben Schritte
Als bedeutsamstes Ritual gilt das Saptapadi. Das Paar geht gemeinsam sieben Schritte, während der Priester die sieben Versprechen spricht. Braut und Bräutigam geloben sich diese Versprechen vor dem Göttlichen, das durch Licht und Feuer vertreten ist. Zusammen bilden sie das Fundament der Ehe und handeln von Loyalität, Liebe, Fürsorge und Hingabe im gemeinsamen Leben. Erst mit dem siebten Schritt gilt die Ehe nach traditioneller Auffassung als geschlossen.
Sindoor: das rote Zeichen
Als Zeichen der Zusammengehörigkeit trägt der Bräutigam der Braut in vielen Traditionen rotes Pulver, das Sindoor, auf den Scheitel auf. Der rote Punkt auf der Stirn, das Bindi, war ursprünglich ebenfalls ein Zeichen verheirateter Frauen, wird heute aber vielfach als Schmuck getragen.
Nach der Zeremonie: Fest und Abschied
Nach dem Segen für das Brautpaar folgt ein reichhaltiges Hochzeitsmahl, oft mit Spielen und viel Tanz. Zu den emotionalsten Momenten gehören die Rituale danach, vor allem der Abschied der Braut von ihrer Familie, die Vidaai. Traditionell zieht die Braut in das Haus der Familie ihres Mannes und beginnt dort ihr neues Leben.
Musik spielt bei einer Hindu-Hochzeit eine große Rolle. Häufig erklingt ein Mix aus traditionellen Liedern und romantischen Bollywood-Soundtracks, den sich das Brautpaar selbst zusammenstellt.
Moderne Hindu-Hochzeiten
Viele moderne Hindu-Hochzeiten verzichten auf einen Teil der traditionellen Elemente und sind dadurch kürzer. Wie umfangreich gefeiert wird, hängt von den Wünschen des Paares, der Herkunft der Familien, den Lebensumständen und den finanziellen Möglichkeiten ab.
Hinduistisch heiraten in Österreich
Auch in Österreich feiern Paare mit hinduistischen Wurzeln ihre Hochzeit nach traditionellem Ritus, oft in großen Sälen mit passender Hochzeitsküche und Platz für viele Gäste. Wichtig: Rechtsgültig ist in Österreich nur die standesamtliche Trauung. Die religiöse Zeremonie feiert ihr zusätzlich. Was ihr fürs Standesamt braucht, erfahrt ihr in unserem Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine hinduistische Hochzeit?
Traditionell erstrecken sich die Feierlichkeiten über mehrere Tage, oft drei bis fünf. Moderne Hindu-Hochzeiten sind häufig kürzer und konzentrieren sich auf die wichtigsten Rituale.
Was ist das Saptapadi?
Das Saptapadi ist das wichtigste Ritual der hinduistischen Trauung. Das Paar geht gemeinsam sieben Schritte und gelobt sich dabei sieben Versprechen, mit dem siebten Schritt gilt die Ehe traditionell als geschlossen.
Ist eine hinduistische Hochzeit in Österreich rechtsgültig?
Nein, in Österreich ist nur die standesamtliche Trauung rechtsgültig. Die religiöse Zeremonie wird zusätzlich gefeiert.


